„Shibori – Mode aus japanischen Stoffen“

30.03.2017 | Helmut Lange

Gleich zwei Ausstellungen werden am 2. April im Stadtmuseum eröffnet: Mit dem „Trierer Maler“ Peter Krisam steht für viele Kunstfreunde in der Region ein Rendezvous mit einem alten Bekannten an. Neue Einsichten bietet die Schau „Shibori – Mode aus japanischen Stoffen“, die Kollektionen der Hochschule Trier zeigt.Hier und da muss noch eine Falte geglättet oder ein Rocksaum drapiert werden. Alles in allem ist Dorothée Henschel aber schon zufrieden mit dem Ausstellungsaufbau im Stadtmuseum Simeonstift. Die Kunsthistorikerin hat gemeinsam mit Alexandra Orth die Ausstellung organisiert. Jetzt ist sie überwältigt von der Wirkung der filigranen Modekollektionen aus den kostbaren japanischen Shibori-Stoffen: „Der Raum hat eine besondere Aura, ein bisschen fühlt es sich an, als würde man durch einen japanischen Garten spazieren.“ Kein Wunder: Keine Textiltechnik ist stärker in Japan verwurzelt als Shibori – eine Jahrtausende alte Falt- und Färbetechnik, mit der auch die kunstvollen Kimonos gestaltet werden.

Bis in das dritte Jahrhundert lässt sich diese Tradition nachverfolgen – an der Technik hat sich seitdem nichts Grundlegendes geändert: Stoffe werden nach einem präzisen Muster gelegt, gefaltet, abgenäht und gefärbt. So entstehen – ähnlich wie beim Batiken – prachtvolle Ornamente. Ein aufwendiger Prozess, der die Stoffe kostspielig macht. Knapp 500.000 Mark kosteten die traditionell gefertigten Stoffbahnen, aus denen Modestudentinnen der Trierer Hochschule vor zwölf Jahren ihre modernen Kollektionen schneidern konnten. Die Ergebnisse dieser deutsch-japanischen Zusammenarbeit sind nun vom 2. April bis zum 22. Oktober im Stadtmuseum Simeonstift zu sehen – zusammen mit einer zeitgenössischen Kollektion, die nachhaltiges Upcycling als zentrales Gestaltungsprinzip hat.

Die zweite Ausstellung basiert ebenfalls auf einer großzügigen Schenkung: Hanno, Hedi und Guido Krisam, die Familie des 1985 verstorbenen Malers Peters Krisam, übergab dem Stadtmuseum dessen Nachlass. Aus über 1000 Arbeiten – darunter Gemälde, Aquarelle, Zeichnungen und Skizzen – wählte Kunsthistorikerin Juliane Kjølsrud die Exponate der Werkschau aus. „Wichtig war mir, den künstlerischen Werdegang darzustellen. Einerseits zu zeigen, wer den jungen Peter Krisam prägte, andererseits aber auch seinen großen Einfluss als Lehrer an der Werkkunstschule darzustellen“, erklärt sie.

Bürgermeisterin Angelika Birk weist in ihrem Grußwort zu den neuen Sonderausstellungen darauf hin, dass deren Themen auf den ersten Blick weit voneinander entfernt seien, aber doch einen wichtigen Gedanken teilen würden: „Lange bevor das grenzenlose Reisen durch Europa für uns zur Alltäglichkeit wurde, war Peter Krisam ein früher Grenzgänger: Regelmäßig besuchte er Künstlerfreunde in Luxemburg und Paris, sein Spätwerk ist geprägt von den typischen Landschaften Südfrankreichs. In seiner internationalen Orientierung war er ein Europäer der ersten Stunde. Europa als Projekt der Freundschaft stand auch am Anfang der Shibori-Kollektionen: 1995, als Luxemburg erstmals Kulturstadt Europas war, schenkte das World Shibori Network in Japan der Modeklasse der Hochschule Trier die kostbaren Stoffe, aus denen die Studentinnen jene Kollektionen entworfen haben, die wir nun bewundern können“, betonte Birk. Die beiden Ausstellungen teilten die Gedanken der Freundschaft und Verständigung zwischen den Völkern, des lebendigen Interesses aneinander und des kulturellen Austauschs.

Führungen und Workshops

Beide neuen Ausstellungen werden am Sonntag. 2. April, 11.30 Uhr, bei freiem Eintritt eröffnet. Nur wenige Tage später beginnt das Rahmenprogramm. Die erste Führung durch die Shibori-Ausstellung mit Dorothee Henschel beginnt am Sonntag, 9. April, 11.30 Uhr. Die nächsten folgen am 14. Mai, 11.30 Uhr, und am 20. Juni, 19 Uhr. Außerdem sind verschiedene Workshops geplant, unter anderem zum Herstellen von Lampions aus Origami-Papier. Die ersten Rundgänge durch die Krisam-Ausstellung finden am 23. April, 11.30 Uhr, sowie am 9. Mai, 19 Uhr, statt.

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